machen die Banken den Mittelstand kaputt?

Hier wird das wirtschaftspolitische Profil für die Zeit nach der 2. Parteigründung diskutiert.

Re: machen die Banken den Mittelstand kaputt?

Beitragvon DJ_rainbow » Di 8. Sep 2009, 07:08

vader hat geschrieben:Um auf das Thema noch einmal zu kommen, wie die Banken mit den Bürgerinnen und Bürgern umgehen, speziell mit Klein- und Mittelständlern, die dringendst wirtschaftliche Hilfe brauchen.


Dabei auch das Thema: Müssen Banken allen Bürgern für sich ein Konto einrichten lassen?

Bisher gibt es keine gesetzliche Grundlage für ein Girokonto für Jedermann.

Hier ein Link:


http://www.bmj.bund.de/files/-/3570/Ber ... n_2008.pdf


Mal ganz grundsätzlich: Zum Kaputtmachen gehören immer zwei. Und Banken sind per definitionem nicht so eine Art Sozialamt für klamme Unternehmen - sondern selbst Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht. Alles andere ist naiv.

Und zum Konto für Jedermann: § 5 SparkassenG NRW schreibt allen Sparkassen in NRW vor, jedem NRW-Bürger zumindest einen Versuch mit einem Guthabenkonto zu gewähren. Das sagt noch nichts über zahlungsunfähige Verbraucher, Unternehmen und Dispokredite - klar. Sondern nur das, was da steht.
In der Demokratie mästen sich Sozialisten in Parlamenten. Im Sozialismus hungern Demokraten in Zuchthäusern und Arbeitslagern.

Modi bei http://www.radio-xtream.de

Bild
DJ_rainbow
Administrator
 
Beiträge: 767
Registriert: Di 16. Dez 2008, 21:28

Re: machen die Banken den Mittelstand kaputt?

Beitragvon Sall May » Mi 9. Sep 2009, 16:21

DJ-Rainbow, ich weiß ja nicht ob Du selber Selbständig bist, warst oder wie auch immer. Oder vielleicht gar Banker? Niemand behauptet das die Banken für die Unternehmen zuständig sind, doch man sollte sich mit offen Augen doch einmal die Tatsächlichkeiten anschauen. Wie sieht es denn im Alltagsleben so aus? Und bringt es uns etwas nach Sündenböcken zu suchen, den schwarzen Peter hin und herzuschieben? Wie sollen die realen Probleme denn nun gelöst werden?

Was nützt einem Unternehmer z. B. ein Privatkonto? Viele arbeiten u. a. mit Wartungsverträgen und mehr, diese Leute ziehen ihre Gelder per Lastschrift ein, sind also auf diese Art von Konten etc. angewiesen. Kein laufendes Unternehmen kann mal eben von heute auf Morgen die jahrelangen Gegebenheiten umstellen. Denn auch das kostet, kostet neben zusätzlichen Arbeitskräften ja auch Geld. Und um an das Geld zu kommen braucht man auch ein entsprechendes Konto. Hier noch etwas, dass wie ich finde dazu passt:

Da landet man schnell auch wieder in Threads, die sich z. B. mit dem BGE "Bedingungslosem Grundeinkommen" beschäftigen.

Was kann wie gehen, wie kann was gelöst werden usw., das wird z. B. hier diskutiert: http://forum.derwesten.de/viewtopic.php?p=793421#793421

Die Situation, eben auch bei den Selbständigen und hier meine ich eben die kleinen Selbständigen, die Freiberufler usw.., von Ihnen sind mir und uns viele bekannt die heute vor dem absoluten Nichts stehen. Wobei vergessen wurde und wird, oder aber auch nie so wirklich thematisiert wurde und wird, wieviel Arbeitsplätze hier vorhanden waren und noch sind.

Genau diese Zielgruppe kann aber nicht mehr mit dem z. B. Wettbewerb, den Hürden die sie auferlegt bekommen usw. mithalten. Viele unter Ihnen haben heute nicht mal mehr die zusätzliche, private, abgeschlossene z. B. Rentenversicherung. Werden nicht genau diese Leute, wenn sie dann ungewollt aufgeben müssen und mit ihnen ihre Mitarbeiter, nicht genau in den Topf der angeblich Arbeitsunwilligen geworfen?

Man überlege sich doch nur mal die Situation, der Handwerksmeister X bekam seinen ausgeführten Großauftrag nicht bezahlt. Die Bank wirft ihm jetzt vor er habe sein Unternehmen nicht gut genug im Griff, Folge der z. B. bestehende, leider erforderliche Dispostionskredit wird gekündigt. Ein neuer Auftrag jedoch wartet auf die Ausführung. Hierfür wird dringend Geld benötigt, das Geld das vielleicht aus dem einen oder anderen ausgeführten Auftrag noch nicht eingegangen ist. Jetzt wird es logischerweise eng, ist dann auch noch der Dispo weg, kann er jetzt nicht mal mehr z. B. Material einkaufen, dann ist der neue Auftrag futsch. So passiert das jetzt seit Jahren in einer immer schnelleren Häufigkeit.

Eine Kurzfristige Überziehung der Firmenkonten ist meistens nirgendwo mehr drin, denn viele haben sie nicht mehr, können sie auch nicht mehr haben die geforderten Sicherheiten. Wären sie noch vorhanden, dann würde man ganz sicher keinen Kredit o. ä. haben wollen, denn dann braucht man es nicht.

In diesen Zeiten, wo eben das Geld erstmal über den Mahn-/ und Inkassoweg eingeholt werden muss, und das kann dauern, entsteht ein großes Loch. Es kann sein das es nur wenige Tage dauert bis der Auftraggeber zahlt, es kann aber auch länger dauern. Jetzt ist guter Rat teuer, denn die Betriebskosten, die Personalkosten usw. laufen weiter. Oft steht der kleine Selbständige jetzt wie der sprichwörtliche Ochse vor dem Berg. Natürlich wird er alles versuchen diesen Berg abzutragen, doch oft geht das ganz einfach nicht mehr. Es liegt nicht an dem Unternehmer selber, denn er hat einfach keinen Einfluss darauf wenn ein Auftraggeber die Zahlungen in die Länge zieht. Doch genau dafür macht ihn die Bank jetzt haftbar, in dem sie dem Unternehmer sagt er wäre unfähig.

Noch vor Jahren war es tatsächlich in solchen Situationen so, dass die Unternehmen schnell mal etwas Geld, natürlich zu entsprechenden Zinsen von der Bank erhielten. Dann ging es mit der Firma und der Arbeit weiter, es konnte weiter gehen. Natürlich blieb dem Unternehmen oft selber nur noch sehr wenig, weil er ja die Zinsen am Bein hatte. Doch es ging wenigstens weiter. In den letzten Jahren konnte man beim besten Willen nicht mehr so planen wie man es gerne täte. Es gibt leider keinerlei Planungssicherheit. Viele kleine Selbständige gingen gar hin und verpfändeten alles was sie verpfänden konnten, nur damit der Laden weiter lief. Nun könnte man sagen die wären ganz schön dumm, dass sie das taten. Sie hätten einfach dicht machen sollen? Dann wäre die Existenz eben genauso futsch gewesen und mit ihnen die Arbeitsplätze. Das wollten viele nicht, sie kämpften weiter und hofften es wird schon wieder. Wurde es wie wir alle wissen eben leider nicht.

Leider wird aber diesen kämpfenden, verantwortungsbewußten, fleissigen Menschen auch noch für nicht selber verursachte Probleme das Leben schwer gemacht. Von Seiten der Kunden, der Lieferanten, der Mitarbeiter, der Behörden und der Banken. Es beginnt ein Kreislauf der sich immer schneller dreht, meistens leider nur noch in eine Richtung nach unten. Doch niemand möchte da nach unten, man überlegt also immer weiter wie geht es wieder nach oben. Diese gestrampel ist oft die reinste Selbstquälerei, ist eben als würde man bei starkem Schneestrum den Schneeball den Hang hochrollen zu wollen.

In solchen Situationen hilft auch kein Schuldnerberater. Natürlich könnte der jetzt verhandeln für den Selbständigen, und versuchen irgendwo z. B. Aufschub herauszuhandeln wenn es um zu zahlende Rechnungen geht. Behören wie z. B. Finanzämter da ist nichts mit verhandeln, bei den Banken meistens auch nicht, die Lieferanten wollen auch ihr Geld und wie gesagt das oben beschriebene Loch wird immer größer. Was dann bleibt ist die Entlassung der Mitarbeiter und die Insolvenz. Der Weg zur Arge und hin zu Hartz IV, die Umgestaltung des gesamten persönlichen Lebens, denn von heute auf morgen ist meistens alles vorbei.

Die lange Dauer der Insolvenzlaufzeit in D., macht es vielen auf lange Sicht auch unmöglich wieder einen Neuanfang zu schaffen. Dann geht es ab in Massnahmen, auch für den der gar nichts für den Verlust seiner Existenz konnte. Dieser Personenkreis wird aber beschimpft, muss also auch das alles aushalten, wird oft als Sozialschmarotzer oder eben unfähiger Kaufmann bezeichnet. Ob das so alles richtig ist?

Natürlich ist bei diesen Menschen auch die private Altersversorge und alles futsch. Je mehr das werden und es werden bedauerlicherweise immer mehr, desto weniger lässt sich erkennen wo hier eine Entspannung im Binnen- und auf dem Arbeitsmarkt entstehen kann.

In vielen Betrieben wirde die Arbeit auch merklich mehr, das liegt oft am Tempo, denn jetzt soll ja vieles elektronisch abgewickelt werden. Mal eben die die Mail, mal eben das Forumular, die Tagespost kommt auch mehrfach am Tag. Das heißt für die Selbständigen hat sich zusätzlich der gesamte Arbeitsrythmus verändert. Es wird erwartet das alles schnell, schnell zu gehen hat. Das geht so aber nicht. Denn das Geld und die Aufträge werden ja nicht mehr, sonst könnte man sich ja für das mehr an Arbeit schnell noch jemanden einstellen. Alleine die Flut an Spammails, die so manch ein Unternehmer leider lesen muss, weil kein Spamfilter so gut ist, dass man sich sicher sein könnte es geht nicht mal eine Kundenmail verloren, erfordert Zeit. Und Zeit ist nun einmal Geld, Geld das ja reinkommen muss.

Man ist also gefordert sinnlose Mehrahrbeit, die eben durch die sich immer weiter verändernden Arbeitsbedingungen entsteht zu finanzieren und zu erledigen? Rechnerisch kann das natürlich auch auf lange Sicht nicht funktionieren.

Dann der Wettbewerb, auch hier können die Kleinen oft schon lange nicht mehr mithalten. Wenn die Produkte z. B. immer billiger werden, Dinge die z. B. Inland produziert wurden vom Unternehmen, importiert jetzt ein anderes großes Unternehmen aus dem Ausland billiger und wirft es auf den Markt, dann kann der kleine Betrieb mit seinen Mitarbeitern dicht machen. Er wird dicht machen müssen.

Ganze Berufsbilder verschwanden und verschwinden immer mehr. Neue, sind es vieleicht nicht nur Kunstgebilde entstehen, bringen aber längst nicht mehr die Arbeit und die Einnahmen die erforderlich sind um ein Auskommen mit dem Einkommen zu haben.

Das war jetzt mal nur ein kurzer, ich hoffe gut zu verstehener Abriss, wo so einige Knackpunkte liegen. Wie bitte sollen und können diese gelöst werden? Hinzukommt jetzt, dass die Zeit bis zur Rente immer weiter erhöht wird, das obwohl man gar nicht sagen kann wo die Arbeit herkommen soll.

War es nicht ursprünglich mal so, dass im Rahmen des Fortschritts angedacht wurde, dass die Menschen mehr Zeit bei gleichbleibendem oder gar steigendem Einkommen haben sollten? Führten wir nicht einst die 35 Stundenwochenarbeitszeit ein und gingen viele unter uns nicht in Frührente, um die Arbeitsplätze für den Nachwuchs frei zu geben?

Viele Fragen, viele Beispiele - wer diskutiert weiter mit - und wer hat vor allem sachliche Antworten, die schnell zur Lösung des Problems führen. Das Lösungen für uns alle her müssen ist uns wohl klar. Die bekommen wir aber nur hin, wenn wir uns vertragen, oder?


Das Thema kann auch hier diksutiert werden: http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2497392&r ... 1#16119956

Es ist auch wirklich alles andere als ok, dass viele nur diskutieren während den anderen das Wasser schon über dem Kopf zusammenschlägt. Denn genau diese haben die Situationen auszuhalten und möchten Lösungen, möchten das so schnell wie möglich raus. Das Recht sollte man jedem zugestehen, oder?
Sall May
 


Zurück zu Wirtschaftspolitik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste